Oktober 21, 2020

HABEN UND SEIN

Von admin-intdoc

Gedanken von Henri Lenoir.

Es war eine Zeit, wo Haben und Sein guter Laune waren.
Beide fühlten sich nützlich und kamen aus der gleichen Wiege.
Haben und Sein waren Brüder, es gab nicht das Eine ohne das Andere,
Dennoch kam es zu unterschiedlichen Entwicklungen.

Was Haben sein wollte, wollte Sein auch haben.
Aber Haben hatte keinen Gott und keinen Meister,
also blieb nur noch wenig an Sein,
und den Rest behielt Haben ohne Teilung.

Wo?  Auf seinem Bankkonto, da wo es sicher ist.
Dort wird es offiziell als Haben bezeichnet und geehrt.
Nichts nützte Sein, um dazu zu kommen.
Außer sich selber hatte es nichts und das war nicht genug.

Traurig lernte Sein zu lesen und zu denken.
Es musste, wie es sich gehört, Sein werden.
Glücklich lernte Haben zu zählen und zu sparen.
Er musste ja haben, was von ihm erwartet wird.

Haben hat immer mehr und kann es nicht einmal zählen.
Es wird so viel, dass es fast unverschämt wird.
Sein bleibt traurig und arm.
Es versteht die Gerechtigkeit nicht mehr.

Haben wird großzügig um zu zeigen, was es hat.
Sein wird geizig um zu halten, was es nicht hat.
Haben sucht Schutz und Frieden
Sein sucht Frieden und Schutz.

Also suchen beide das Gleiche.
Der Eine ist reich nach Außen und arm nach Innen.
Der Andere reich nach Innen und arm nach Außen.
und auf der Suche finden sie schließlich einander.

Keiner wollte das Gesicht verlieren,
Keiner wollte was zugeben.
Dennoch wollten beide Frieden.
Haben und Sein sind nicht mehr alleine.

Um heute zu sein, muss man haben,
aber nur wenn das Haben erlaubt,
die guten Seiten des Seins zu pflegen.
Und was sonst?

Das ordinäre Verhalten des Habens wird elegant.
Das elegante Verhalten des Seins wird ordinär.
Jeder ist glücklich, jeder fühlt sich sinnvoll.
Haben und Sein sind wieder eins.

So ist es eben. Man kann vieles haben, aber wenn man
das wichtigste nicht hat, dann ist der Rest nur noch nichts, oder fast.